... für gewöhnlich Nutze ich die Kaffeepause im Büro für ein oder zwei Videos bei Youtube. Heute war es wieder soweit. Vor meiner Kaffeepause habe ich nämlich einen Webcast zum Thema "The Science Of E-Mail-Marketing" gesehen, bei dem beide Sprecher scheinbar eine auf der Nase befestigte Konservendose als Mikrofon nutzten. Nachdem ich davon sehr schläfrig wurde bin ich also im Anschluss zur Kaffeemaschine schlurfte und dann mit einem großen Milchkaffee zurück zu meinem Platz, wo ich mich wieder mit dem Kopf in meine Kopfhörer und mit der Hand zur Maus und mit dem Browser zu Youtube begab. Ich wählte ein von Zeit und Stimmung passendes Video und lehnte mich zurück, als es in betäubender Lautstärke den ersten Halbsatz der Parship-Werbung in meine Ohren trompetete "STUDIEN HABÄN ERGÄBÄN DASS LÄNGERFRÄSTÄGE BEZIEHUNGÄN ...." erschrocken befreite ich mich von den mich peinigenden Kopfhörern atmete kurz durch, ließ die gräßliche Werbung, bei der mir immer wieder die nach wie vor schwache Zielgruppenorientierung auffällt, am Bildschirm vorrüberziehen und prüfte danach die Lautstärke des Videos, dass ich eigentlich sehen wollte. Die Lautstärke war ok. Welchen Sinn hat diese Abnorm, die mir auch bei TV-Werbung immer wieder auffällt?
"LAUTER IST GEILER!!!"
Die Musikindustrie hatte damit angefangen bestimmte Alben von bestimmten Bands vollkommen übersteuert, aber grade noch hörbar auf Tonträger zu bringen mit dem Ergebnis, dass sie sich in Bar's, Kneipen und Diskotheken, die Vollpfosten einstellen, die von einem Gain-Regler noch nie was gehört haben, gegenüber der anderen Musik absetzte und deswegen von Idioten häufiger gekauft wurde.
Bei TV-Werbung ist es erwiesenermaßen so, dass man meist die Pausen nutzt um sich irgend ein nutzloses, krankmachendes und wenig nahrhaftes Fressen aus dem Kühlschrank zu holen oder in die Mikrowelle zu werfen. Manchmal gibt man auch viel tiefer sitzenden Trieben in der Fliesenabteilung des Apartments nach. Damit einen die eindeutigen Werbebotschaften "ÄCH BÄN DOCH NÄCHT PLÖT" auch auf dem Scheißhaus noch erreichen und unter Umständen noch die Frühprägung des in der Nachbarwohnung schlafenden sechs Monate alten Säuglings übernehmen macht man die Werbung eben gefühlte 4 db lauter als das gesamte restliche Programm.
Sofern die Werbung an dieser Stelle nicht auf einen Idioten trifft, was zwar unwahrscheinlich ist, aber gelegentlich immer noch vorkommen soll. So trifft ihn der Hammer der literarisch gefährlichen Botschaften eben vier mal härter und erhöht so die Chance auch ihn mittelfristig durch die so verbogenen Hirnwindungen zu einem echten Idioten zu machen.
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